Die guten Manieren des Unsichtbaren


Es verschwand auch diejenige lärmende Truppe der Bärenmänner, nachdem ihre, von der Trunkenheit der Bärenmänner, vernachlässigten Bären, hungrig wie Bären, den einzigen Wächter des Stadtsfriedhofs zerstückelten. Es war der einzige draußen gebliebene lebendige Mensch, weil alle Stadtbewohner erschocken von einer seltsamen und unerhörten Farbe des Sonnenuntergangs, als ob sie ihr Menschengehirn in eines Straußes Denken umgetausch hätten, sich entschieden haben, nicht die Häuser zu verlassen. Der Wächter sah ziemlich schlecht, - man sagte sogar dass sein Sehen, in sovielen Jahren der ehrlichen Wache, von dem seltsamen Glanz des Marmors der Gräber absorbiert wurde, - er konnte sich kaum bewegen, aber es scheint, dass ihm dieses Leben, das er immer schwächer sah, noch immer gefällt, weil er einige Minuten bevor er von der Lawine der Bären geteilt wurde, gerufen hatte:
- Ein großer Hunger nähert sich mir, Gott!

So blieben die Toten nicht überwacht, und nach der Begrabung des Wächters folgten andere zwei Unglücke: von fast allen berühmten Gräbern wurde der Marmor geschält ( der die Wände, die sich in der Richtung aus der die Ankunft des Endes erwarten wird befinden, barrikadiert haben, oder der Marmor wurde von den Namen, der Zahlen und den alten traurigen Gedichten gereinigt, um nachher als nagelneu benutzt zu werden) und die Weizenlager brannten. Die Reichen kamen aus den Villen heraus, gleichzeitig mit ihrem eigenen Verrücktwerden, und sie beenden nicht, um das schwindelnde Feuer herum zu gehen, bis sich der Geruch des gutgetosteten Brotes schmerzhaft hartnäckig in einen Geruch von Asche verwandelte.
Unser riesiges Brot der Tage und Nächte wurde eine fliegende warme Asche, und auf den vergrämten Dächer der Stadt könntest du glauben, dass sich das Gespenst der verpflichtenden Demut schwenkt.
- Es ist sicher, dass wir einen Fluch in der Stadt haben, hat der Priester erklärt.
Aber es war schon ewig so: als wir keine Stadt gehabt haben, hatten wir den Fluch in der Stadt, und umgekehrt.
Beim Fluch verstand die Mehrheit der Menschen, nicht nur den göttlichen Fluch des Anfangs der Jahrhunderte und der, esoterisch sprechend, nicht anderes gemacht hat, als die Hierarchie der himmlischen Welt zu behalten, sondern auch einen Fluch der einen Menschen, ein unheilbringendes Tier, oder eine der Hexen, die auch die Hölle nach außen spuckt, verkörpert. Es wurde eine grausame Untersuchung der Träume der Stadtbewohner gemacht, so dass es um so klarer wird, ob irgendeiner versucht hat, durch die Zeit zu reisen, aus dem Körper zu entfliehen, irgendeinen Toten zu beleben, zum Mond zu fliegen, Dummheiten gegen die Natur zu machen u.s.w. Die langen Messen der drei Religionen, sowie auch die besonderen Beschwörungen der Zauberer, der Astrologen, der leidenschaftlichen Kartenspieler u.s.w., vertrieben irgendwie die Traurigkeit des Aschenbrotes, und sie waren von der Erscheinung eines von weither gekommenen Zaubers verdoppelt. Man kann nicht ahnen wie weit, weil die Traurigkeit so tief in die Seelen eingenistet war, dass sich niemand anders, als sehr weit von allen Leuten fühlen könnte, also unerhört verlassen, unerhört einsam.
Der Zauberer verkündigte seine Anwesenheit einige Tage nach einem der ärmsten Silvesterabenden in der Stadt auf dem Möwenplatz (der, flüchtig gesagt, sah schon lange nicht mehr wie ein Markt aus und er nimmt auch nicht mehr Möwen auf). Er nahm eine Handvoll Asche, schmelzte sie in einem Glas Wasser - schon grau - mischte sie gut, sang etwas unter den übergesättigten Blicken der Betrunkenen, denen es noch nicht gelang ihre Heimatsorte zu erfahren, und er machte aus Asche und Wasser einen Wildhahn, den er in eine erstarrte Möwe verwandelte, die er dann in eine Ente verwandelte. Nachdem die Ente in dem grauen Sand des Platzes blind spazierenging, mit einer einzigen Fingerbewegung, verwandelte der Zauberer sie in ein Ei, das er zerbrach, um eine goldene Uhr herauszunehmen. Er schenkte die goldene Uhr einem der Betrunkenen (der sich schon als König im Land der gebrochenen Flaschen sah) und ging weg.
Am nächsten Tag, füllten die trauernden Stadtbewohner, die bereit sind sich an jede Zerstreuung zu klammern, den Balsaal und, unter der orangenblaufarbigen Wolke, die rundum den riesigen Leuchter schwebte, haben sie, einbalsamiert, alle Nummern des Zauberers verfolgt.
 Der Priester der Stadt war, selbstverständlich, gezwungen seine Larynx mit drei Flaschen Pflaumenschnaps zu massieren, nachdem er den Zauberer( auch lügnerischer Profet genannt) verflucht hat, bis ihm der Hals austrocknete. Der Zauberer war ein Mann von hoher Gestalt, blass, mit irgendwelchen heterosexuellen Gesten, mit einem erobernden Lächeln und mit einer der quasiengelhaften Stimmen, denen du nichts verweigern kannst. Er sprach etwas aus, irgendetwas, und du könntest ihm nichts verweigern, du könntest nicht sagen, dass er lügt oder betrügt. Er setzte entscheidend und vielleicht von anderen Schichten der Sprache auf eine der angeborene Not des einfachen Zuschauers, sich nicht vor allen Leuten zu schämen, die Not nicht blöd zu scheinen, ungebildet, schlecht erzogen, sowie auch auf denjenigen Tropfen von fast bewusstlosem Mitleid, den wir jedes Mal, wenn wir nichts zu tun haben oder nichts mehr zu tun haben, teilen. Die Worte des Zauberers erweichen dich, schmelzen dich in eine Art allesumfassende Liebe; du könntest niemandem etwas verweigern, unerwartet überzeugt, dass eine einfache Absage die urväterlichen Werte töten oder profanieren wird. Alle Nummern begannen mit dem Satz: ”Es war einmal in der Hölle…”Es folgte eine wirklich über- und untermenschliche Glückseligkeit, eine Art Triumph der Identität; zum ersten Mal in ihrem Leben fühlten sich die Genies, die Handwerker, die Versager und die unwichtigsten Städtler plötzlich gleichmäßig wichtig eingeladen, um an der Erschaffung oder Wiederschaffung der Welt teilzunehmen.
Der Zauberer hätte weiterhin die Seelen und die Frauen erobert, wenn nicht über die Stadt einige große graue Vögel geflogen wären, deren große und schwarze Eier rieben mit ihren buschigen Jungen von der Oberfläche der Welt, die ganzen architektonischen Zartheiten, von den Vorfahren geerbt, sowie auch die Grüften, bereits ohne Marmor, einiger unserer Vorfahren. Häuser und Menschen in die Luft springend, Staub der Häuser und der Menschen, über die nach den Menschen und Häuser und nach dem Hunger der obengenannten jungen Vögel gebliebenen Gräber landend, man weiss nicht wie und wohin derjenige seelenheilende Zauberer verschwand.
Die Bombenangriffe haben die ganze Woche gedauert, die Menschen waren gezwungen zu flüchten, wohin sie konnten, einige sogar die Keller und die widerstandsfähigen Gruften der Vorfahren bevölkernd, und dem jungen Museographen der Stadt ist es nicht gelungen, sich in dem Keller der Villa mit zwei Stockwerken (von fünf) zu verstecken, wo er sich auch voriges Jahr, wie ein schweigsamer und respektabler Mieter, niederließ. Man sollte die Tatsache erwähnen, dass der Museograph am Montag in den Keller hinunterging, gleich nachdem der Balsaal anfing, wahnsinnig zu tanzen, dem Zauberer gelang es nicht mehr, seine Nummer mit “den Gedärmen” zu beenden. Es war die Geschichte eines einfachen Menschen, irgendwie hübsch und lebendig, den der Zauberer in Stücke geschnitten hatte, mit einem glänzenden Messer, um ihn danach auf einen Tisch aus grünem Glas zu legen, die Gedärme des ehemaligen lebendigen Hübschen auszustellen, an diesen vielfarbigen Gedärmen ein orphisches Harfenlied zu singen, den Bauch des Instrumentes zu schließen, als ob es einen Reißverschluss hätte, um danach den ehemaligen Hübschen in Luft zu schmelzen, indem diese von Beifall und den bezaubernden Schreien erschrickt. Der Bombenangriff begann fast am Ende des orphischen Liedes, und der Balsaal leerte sich ständig, die Zuschauer wurden nach draußen abortiert, zusammen mit der ganzen Bitterkeit und dem Schreck der unterbrochenen Faszination. Der einfache Mensch, irgendwie hübsch und lebendig, scheint als blieb er zerstückelt auf dem Tisch des Zauberes aus grünem Glas, das Ende des Liedes erwartend. Der Museograph, der auch bei der Vorstellung gewesen war, rannte blind wie alle Leute, trat wohin er konnte, er erfuhr nicht wen und wohin er trat, er glaubte, dass er nur Schreie zertrat, Atmungen und Beschimpfungen; er kam wieder zu sich, nachden er den inneren Riegel an die uralte Tür des Kellers gelegt hatte.
Er dachte, dass diese gigantischen Vögel nicht Eier wegwerfen, sondern Schicksale. Das Leben jedes Städtlers schlich sich in eines jener Schicksale, um seine Sferenzauber zu brechen, und das Leben der Städtler soll in ein anderes Leben aufwachen. Der Keller war dünkler als der Alpdruck draußen, es roch nach Sachen, Insekten und nach Lebewesen, die in der verzweifelten Langeweile der Dinge, an die wir nur dann denken, wenn uns der Tod holen will, verfaulten; es roch auch nach Schwefel, der die Weinfässer reinigt.
Der Museograph sah nichts; nur der Lärm der Bomben gebar rythmisch eine etwas schwärzere Wolke, als die Luft im Keller, dann verschwand der Lärm zusammen mit seinen Wölkchen, und die Luft des Kellers wurde, paradoxal, noch undurchdringlicher. Ich hätte auch an einem helleren Ort sterben können, sagte sich der Museograph, an einem Ort, wo du nicht von der Unfähigkeit des Lebens verpflichtet bist, dich nur Seele zu fühlen.
Er versuchte mit aller Kraft seine Angst durch einen Humor, nicht so schwarz wie die Wölkchen, zu vertreiben.
Aber ich hätte sterben oder mit dem Leben davonkommen können an einem noch höllerischeren Platz oder an einem noch dünkleren als dieser. Er wusste, dass die vom Tod bedrohte Haut keine Moral oder absurde Beantragungen kannte.
- Willkommen- sagte eine Stimme.
- Gott!…
Die unerwartete Gegenwart eines anderen Menschen, die Stimme eines lebendigen Menschen, der banale und unbedeutende Willkommengruß, erschütterten den Museographen mehr als ihn die gierigen und wässerigen Blicke des Todes oder ein süßes Willkommen von seiner Exzellenz dem Ende, erschüttert hätten.
Er blieb erstarrt in einer Art flagranter Intimität, plötzlich glücklich, enttäuscht, verletzt und gesegnet.
Aber es war nichts zu befürchten. Der andere war auch ein Mensch wie er, lebendig, erschrocken und verirrt in der urväterlichen Eile des Rettens der Haut, versteckt im Keller noch vor dem Museographen, denn wie er mit einer priesterischen oder kindischen Zurückhaltung prallte, erwartete er dieses Unglück seit die Bären den armen Wächter des Friedhofes zerstückelt hatten.
- Eigentlich hat es mir nie gefallen, draußen herum zu laufen - gestand ihm der andere. Wie De Kempis sagte: So oft ich in die Welt trat, bin ich kleiner nach Hause gekommen. Warum soll der Mensch immer kleiner nach Haus kommen? Es scheint mir nicht Egoismus zu sein, wenn du nicht annimmst zu verschwinden, wenn du immer größer werden willst, nicht?
Der Museograph bejahte. Der andere hatten einen seltenen Charme, eine entwaffnende, sogar süße Kultur, die er mit einer besonderen Demut aus dem Dunkeln des Kellers nahm. Der Museograph dachte, dass auf dem Weg des Menschen immer ein netter Unbekannter erscheint, der dir mit seinen Worten wie Honig und mit tiefer Weisheit, langsam alle Verrücktheiten, Vorurteile, Unsicherheiten, verirrende Erscheinungen zerstreut. Er war wie ein Engel oder eine Seele, die sich demütig und schweigsam duckte, in der von Kriegen und Kannibalismen entstandenen Nacht, und dort erwartet er sie alle, die am Rande des Schicksals Stehenen, damit er sie streichelt, ihnen einen Tropfen Mut gibt, alle wahren Nichtigkeiten beschreibend und auflösend, die sich in den Venen dieser Welt verwurzelten, um sie von innen aufzufressen, diese Welt, die in ihre selbst geborenen Alpträume versunken ist. Er war eine Art nichtkanonisierter Heiliger, der nicht einmal träumte, der nicht einmal kanonisiert sein wollte, er kümmerte sich nicht um den vorübergehenden Ruhm, er wünschte sich nichts.
 Nach fast dreißig Wölkchen fühlte sich der Museograph ganz entzückt von der Besprechung mit dem anderen, bereit sich zu opfern oder an seiner Stelle zu sterben.
 Der Heilige, der sich in die Alpträume der Welt duckte, hat ihm gestanden, dass er Waise war, um noch einmal Waise zu werden, von dem Moment an, an dem die Stadt ihn wahnsinnig glaubte.
 Es kamen die Zeiten als die Schüchternheit, die Meditation, das gute Gewissen, die materielle Armut, die guten Manieren und die von der Einsamkeit geweihte Intimität Verrücktheiten wurden, sagte der Heilige. Seit dann habe ich immer gerträumt mich hier einzuschließen, jede Verbindung mit der Welt abzureißen und mich um meine Seele zu kümmern. Aber es gelang mir nicht mich einzuschließen, nur nach der Tollwut der Bären.
 - Aber womit ernähren Sie sich?
 - Der Mensch lebt nicht nur mit Brot… Man findet immer auch gute Menschen, die dich nicht vergessen, meinst du nicht?
 - Sicher.
 Der andere gestand ihm, dass egal welche Art (oder Zeit) über uns gekommen ist, egal wieviel Unglück und Verarmmungen sich über uns ergießt, immer, immer bleibt wenigstens ein Mensch, in den wir Vertrauen haben können; auf den wir uns bis zum Tode verlassen können. Er versicherte ihm, dass er draußen alles getan hat: Bettler, Tischler, Koch, Maler, Zuchthaus, Designer, Automechaniker, Teller-, Kleider- und Hirnwäscher, Schneider, Straße, Sänger, Tänzer, Klavierspieler, Magiker, Politik usw, usw, viel zu viele Berufe für ein einziges Menschenleben, ein Leben eines Sterbenden, aber so stand es geschrieben.
 Mit anderen Worten, der Heilige war eine Verkörperung des menschlichen Schicksals, durch vieles durchgegangen, von vielem enttäuscht, von noch mehr angeekelt, am Ende erhöht über alle Nichtigkeiten des Lebens, beginnend mit der Liebe für die Frauen und Lebewesen im allgemeinen, um sich entgültig ein demütiges Leben auszuwählen, im dichten Schatten, und arm und reich, das hangt vom Schicksal ab, aber der Museograph sollte auf keinen Fall vergessen, dass er nirgends höher ist, als in seiner Seele, denn, sich in seiner Seele festsetzend, setzt sich eigentlich jeder Mensch in Gott fest, wird also eine Art Gott. Es stirbt jede Angst, jede Furcht, jeder Alptraum. Das Leben wird ein leeres Feld, schon beherrscht und bereit gestellt, der Tod kann dich mit nichts mehr erschrecken, er ist nur ein Gehen zu den Sternen und kausalen Welten; wie viel Fluch, Hunger, Kriege, Unglücke und andere Versuchungen dieser Art haben uns bis jetzt besiegen können? Keine ! Wir sind nicht nur das Salz und der Honig der Erde, sondern auch ihr Sinn, ihre Seele, ihre unsterbliche Essenz. Nicht?
 - Ich frage mich, warum Sie kein Führer geworden sind - sagte der Museograph. Mit solchen Führern wäre die Welt ihre Schrecklichkeiten los.
 -Ich war auch einmal Führer. Ich führte eine Sekte, eine Art Stiftung, eine Gesellschaft oder eine pazifistische Organisation, aber die Dinge sind entraten und sie haben sich insofern verschlechtert, dass es schon zu spät war als ich erst einsah, dass meine Schüler, falsche Schüler waren. Nicht? Aber auch wenn ich ein großer Führer gewesen wäre,wäre meine Statue aus Stein oder Metall auch in Ihrem Museum gestorben, nicht? Nein, mein Lieber. Es ist sehr gut dass ich der bin, der ich bin. Der Rest ist Paranoia. Es ist eine Sünde, die zum Himmel schreit, obwohl, nach so vielen Bomben, glaube ich, dass der Himmel, verzeihe mir Gott schon taub geworden ist…
 - Ich bin äußerst neugierig, Sie zu sehen - sagte der Museograph. Ihre Hochheit, sehen Sie mich?
 - Sicher sehe ich dich. Meine Augen haben sich schon an diesen Keller gewöhnt, sowie sich auch Ihre Augen gewöhnen werden, in dem Fall, dass die Bombenangriffe sich mehr als üblich verlängern. Und an mir wirst du nichts besonderes finden, mein Lieber, nichts aus\ergewöhnliches. Ich beschreibe mich für dich, damit die Nichtigkeit des Neugiers nicht an dir nagt, nicht?
 Ich kann sagen, dass ich an der Jugend vorüberging, bin nicht von zu hoher Gestalt, auch nicht von zu kleiner Gestalt, ich habe Augen, die zu ihrer Zeit, so glaube ich, grün waren, und jetzt kann ich sie nicht sehen, damit ich dich aufkläre; ich bin ziemlich mager, weil ich oft faste, was noch? Ah, ich habe auch einen Bart, zwischen weiss und grau, eine ziemlich gerade Adlernase und ich habe sehr viele Bücher gelesen. So bin ich ziemlich. Vielleicht hast du mich auch in der Stadt gesehen, obwohl du mir ganz unbekannt bist.
 - Ich bin nur seit einem Jahr in der Stadt.
 - Und ich bin sicher, dass du gerade dann, als unser Museum ausgeraubt wurde, angekommen bist, nicht?
 - Wissen Sie auch das?
 - So passiert es fast jedes Jahr, mein Lieber. Der Raub folgt den sensationellen Entdeckungen und umgekehrt. Deswegen tauschen sich auch so oft unsere Museographen aus.
 - Glauben Sie, dass auch in diesen Momenten jemand Zeit findet, ein Museum auszurauben?
 - In erster Reihe, du solltest dir keine Sorgen machen, weil es nichts mehr zu rauben gibt. In zweiter Reihe, selbst wenn er etwas raubt, mit Sicherheit, dass dieses Etwas nicht den Wert der Monumente und der vor vielen Jahren gereinigten Schmuckstücken hat…Du sollst wissen, dass es eine goldnen Regel gibt, in Sachen Museen: je eher in der Zeit etwas gestohlen wird, um so wertvoller ist es. So beruhige dich!
 - Wie spät sollte es denn sein?
 - Hast du eine Uhr?
 - Ja.
 - Gib sie mir, dass ich schaue.
 Der Museograph, der nicht einmal sich selbst anschauen konnte, nahm die Uhr heraus und gab sie der Stimme des anderen, erstaunt dass auch der Phosphor der Zahlen und der Zeiger in der Dunkelheit verschwand. Als hätte er dem anderen ein Stück des Nichts gegeben, und nicht eine Armbanduhr. Er streckte einfach seine Hand aus, ohne sich der Stimme des Heiligen zu nähern. Er war äußerst sorgfältig , höflich, sogar schüchtern, damit sich der Heilige nicht beleidigt fühlte und damit die Regeln der heiligen Einsamkeit nicht übertreten werden. Die Stimme legte die Hand auf die Uhr und sagte, dass es genau acht Uhr abends ist. Die Stunde der Nachrichten des Radios London.
 Der Museograph fühlte sich immer wieder von dem Wesen des anderen intrigiert, fasziniert nach so vielen weisen Worten, denen es gelungen ist, einen der üblichen Abenden zu schaffen, jenseits von dem Schreck, den die Wölkchen verursacht haben; mein Abend für Offenbarung, wiederholte er in Gedanken.
Nach fast zweihundert Wölkchen gestand ihm der andere, dass er manchmal von Sehnsucht und erschreckend menschlichen Wünschen zerstückelt war, wie zum Beispiel der Wunsch in einem Galaanzug, mit Krawatte angezogen zu sein, geputzte Schuhe, weisses Seidenhemd, sogar auch Unterhosen und Socken zu tragen. Diese Versuchungen, die es mir noch nicht für immer gelungen ist, sie zu beseitigen, sagte er, beweisen auf schmerzliche Art, dass ich mich nicht so hoch wie man glauben könnte, befinde. Nicht? Aber ich denke demütig, dass wir niemals, so lange wir einen Körper haben, gerade vollkommen sein können, nicht?
 - So glaube ich auch.
 Dreißig Wölkchen später, weil sie nicht denselben scharfen Blick gehabt haben - die Verschiedenheit, die sie dem Vergnügen irgendeines Unterhaltungsspiels berauben - waren einverstanden, dass sie sich untereinander wechseln, damit sie sich besser fühlen, am besten sogar, dass sie die große Vereinigung der gequälten Seelen - wie der Heilige sagte - erfüllen. Nicht? Der Museograph war niemals ein Einsiedler, weder Waise, noch verrückt, noch Zimmermaler, Pianist, Führer eines pazifistischen Vereins, usw, und der Heilige war niemals Museograph. Jeder die Kleider des anderen anziehend, dass heißt, dass sie derjenige geworden sind, der sie bis in diesem Moment niemals waren, hatte der Museograph, bewegt von so viel Verständnis, Ruhe und Liebe überwältigt von der unendlichen Gnade, der Dankbarkeit, den Heiligen gebeten, dass er sein Pate zu werden annimmt, bei der Hochzeit des Museographen mit der Auserwählten seines Herzens. Warum nicht, antwortete der Heilige. Wenn die Rede von einer Hochzeit aus Liebe ist, mit Angst vor Gott, und für Reinheit der Seele und des Körpers, und überhaupt wenn die Rede von einem so höflichen und braven jungen Mann ist, kann ich nicht anders, als von hier herauszukommen, damit ich diese Hochzeit vollziehe. Du sollst nicht vergessen, dass diese Bomben eines Tages enden werden, genauso wie die Hungersnot, die Feindschaften, die Streitigkeiten, die unfruchtbaren Kongresse und wir werden nicht mehr gezwungen sein, die Menschlichkeit und die Liebe aus den dunklen Kellern zu verbreiten. Wir werden auch herauskommen, nicht?
- Gott gebe es!
Der Museograph dachte bewegt an die seltene Freude des anderen, sich ein neuer Mann zu fühlen, ein Zeitgenosse, wie man so sagt; er hätte weinen können von so vieler Spontaneität, gutem Verständnis, von so viel wesentlicher Schwäche vor einer solchen Versuchung, in Anführungsstrichen.
- Stört es dich, wenn du mir auch den linken Schuh gibst - fragte der Heilige.
- Ah, wie kann mich das stören - sagte der Museograph. Ich bitte dich sogar um Verzeihung, dass ich ihn dir nicht zusammen mit dem rechten gegeben habe.
Der andere scherzte, indem er sagte, dass er nicht Witwer bleiben will, laut dem heidnischen Glauben, dass die Füße mit einem einzigen Schuh dich entgültig von dem Terror der Ehefrau oder des Ehemannes retten. Der Museograph lächelte höflich; er erkannte, dass auch er mit einem einzigen Schuh blieb und beeilte sich, den Totenschuh der Ehefrau abzugeben, zwei unschuldige Frauen vor dem Tod zu retten.
- Jetzt kannst du sagen, dass ich du bin - sagte der Heilige. Nicht?
- Ich, aber mit einer umfassenden Kultur und einer Erfahrung, die beneidenswert ist - fügte der Museograph ohne irgendein Gefühl von Neid oder Inferiorität hinzu. Nicht?
- Die Kultur, mein Lieber, kann erzielt werden, sagte der Heilige. Nach allen Grausamkeiten und Dummheiten von draußen, blieben uns nur unsere Seelen, auf die wir stolz sein können, verstehst du, deswegen sollen wir uns bilden, ohne uns vor etwas zu fürchten. Deswegen sollst du, wenn du jemals von hier hinausgehst, nicht vergessen, eine Art großes und leeres Zimmer mit schön bemalten Wänden zu bilden, das du “die Seele der Stadt” nennen wirst. Ich habe schon an dieses Zimmer seit ich klein war und sehr Waise, gedacht. Jedes Mal, wenn unser Museum beraubt wurde, versuchte ich eine Lösung zu finden, etwas was man nicht rauben könnte, etwas was man nicht stehlen kann, etwas Unstehlbares, wie man sagt. Dieses Zimmer wird alles über unsere Stadt ausdrücken, und, in derselben Zeit, wird es niemanden verlocken, wird nicht den Dämon des Diebstahles aufwiegeln.
- Eine geniale Idee - sprang der Museograph ein.
Er vergaß den zu Asche gemachten Weizen, den wilden Hunger der Bären, das über den Charme des Zauberers geworfene priesterliche Anathem, er vergaß sogar den kleinen Streit mit seiner zukünftigen Frau, die ihm sagte, dass er manchmal so gut und nett sei, geradezu dumm, so dass die Leute sagten, dass ihm “das Huhn die Ringe von den Fingern stahl”.
Ein anderer Wölkchensturm begann draus\en und drinnen, aber der Museograph, mit einem frommen Vergnügen das Parfum des frisch mit Wachs gefärbten Mantels des Einsamen riechend, fühlte, dass es zu sündig und zu kalt ist, noch darin zu bleiben. Er erinnerte sich, dass man den Wachs zum Vertreiben der Läuse und der Wiesel verwendete, und, unter sehr vielen kleinen, aber quälenden Gedanken, machte er den Mund auf, um zu sagen:
- Werdet… werdet ihr böse, wenn wir wieder tauschen, denn ich beginne sehr zu frieren…
- Ich werde nicht böse - antwortete der andere. Aber ich frage mich nur, was du mit diesen Kleidern, Ringen, Armspangen, mit der Uhr und den Schuhen machen willst.
- Ich verstehe Sie nicht.
- Du verstehst mich nicht, weil du noch eine geladene Pistole bei dir hattest, die ich seit hundert Wölkchen schon in meiner rechten Hand halte…
- Wie denn…Also nicht…
- Wirst du böse, wenn du mir ein wenig dein Köpfchen hergibst?

Die Schicksale draußen zersprangen, die unerwartete Angst des Museographen in Wölkchen messend, und er sah, dass der Keller gerade die Form eines großen Eies hat, in dessen Herz sein eigenes Schicksal geduckt saß, zitternd, in dem mit Wachs gefärbten Rock, imun auf Läuse und Wiesel, und sollte nach der Barbarei des tollwütigen Bären, der kleinen Kügelchen einer derjenigen, die aus Scherz Leichen machen und aus spiritueller Lust eine Friedhofstille, zerstückelt werden. Hierher fiel also seine Bombe, in deren Herz, in der heiligsten Stille, die kindlich tropfenden Tränen eines teuren Wesens, der Mutter gleich, die ersten Sekunden eines anderen Unsichtbaren maßen.